Währungen beim Investieren: Mehr als nur CHF, EUR oder USD
- Delia Bohren

- 1. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Wer mit dem Investieren beginnt, beschäftigt sich meist mit ETFs, Aktien oder der Frage, welcher Broker der richtige ist. Ein wichtiger Punkt wird dabei oft übersehen: die Währungen beim Investieren.
Immer wieder erlebe ich in meinen Finanzcoachings, dass Anlegerinnen davon ausgehen, sie würden automatisch in einer bestimmten Währung investieren – und dann überrascht feststellen, dass ihr Geld ganz anders verarbeitet wurde.
Dabei können Währungswechsel unnötige Kosten verursachen und die Rendite schmälern. Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Grundlagen zu kennen.

1. Depotwährung ist nicht gleich Anlagewährung
Viele Broker führen das Konto in einer sogenannten Stamm- oder Basiswährung.
Das bedeutet:
Dein Vermögen wird in dieser Währung angezeigt.
Einzahlungen werden häufig zuerst in diese Währung umgerechnet.
Käufe und Verkäufe können über diese Währung abgewickelt werden.
Die Depotwährung sagt jedoch nichts darüber aus, in welche Unternehmen oder Märkte du tatsächlich investierst.
Praxisbeispiel: Wie unnötige Währungskosten entstehen können
In einem Coaching hatte ich eine Kundin, die bewusst Euro einzahlen wollte, um anschliessend einen ETF in Euro zu kaufen.
Ihr Depot bei Saxo war jedoch auf Schweizer Franken als Stammwährung eingerichtet.
Das Problem:
Die Kundin überweist 10'000 EUR auf ihr Depot.
Die Einzahlung wird automatisch in CHF umgerechnet, da CHF als Basiswährung hinterlegt ist.
Anschliessend möchte sie einen ETF an einer europäischen Börse kaufen.
Dafür werden die CHF erneut in EUR gewechselt.
Es entstehen somit zwei Währungswechsel statt keiner.
Bei vielen Anlegerinnen fällt das zunächst gar nicht auf, weil die Umrechnung automatisch im Hintergrund erfolgt.
Nach Rückfrage beim Kundendienst stellte sich heraus, dass bei Saxo auch EUR-Unterkonten möglich sind. Dadurch können Einzahlungen direkt in Euro gehalten und investiert werden, ohne unnötige Umrechnungen.
Beispielrechnung
Angenommen:
Einzahlung: 10'000 EUR
Wechselkosten: 0.25 % pro Umrechnung
Dann entstehen ungefähr:
Vorgang | Kosten |
EUR → CHF | 25 EUR |
CHF → EUR | 25 EUR |
Total | 50 EUR |
50 Euro wirken auf den ersten Blick nicht dramatisch. Wer jedoch regelmässig investiert oder grössere Beträge anlegt, verliert dadurch über die Jahre unnötig Geld.
Mein Tipp: Prüfe immer, in welcher Währung dein Depot geführt wird und ob dein Broker Fremdwährungskonten oder Unterkonten anbietet.
2. Währungsrisiko verstehen
Investierst du ausserhalb der Schweiz, entsteht automatisch ein Währungsrisiko.
Ein Beispiel:
Du kaufst einen US-ETF.
Der ETF steigt um 10 %.
Gleichzeitig verliert der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken 8 %.
Deine Rendite in Schweizer Franken fällt dadurch deutlich tiefer aus.
Umgekehrt kann ein stärker werdender US-Dollar deine Rendite zusätzlich erhöhen.
Währungen können also sowohl für als auch gegen dich arbeiten.
3. Die Handelswährung ist oft weniger wichtig als gedacht
Viele Anlegerinnen achten stark darauf, ob ein ETF in CHF, EUR oder USD gehandelt wird.
Tatsächlich ist das oft nicht der entscheidende Faktor.
Viel wichtiger ist die Frage:
In welchen Unternehmen investiert der ETF?
Ein ETF kann an der Schweizer Börse in CHF gehandelt werden und trotzdem hauptsächlich in amerikanische Unternehmen investieren.
Deshalb gilt:
Handelswährung ≠ Währungsrisiko
Fondswährung ≠ Unternehmenswährung
Wer nur auf die Währung des ETFs schaut, übersieht oft das eigentliche Risiko.
4. Wechselgebühren können Rendite kosten
Jeder Währungswechsel verursacht Kosten.
Dazu gehören beispielsweise:
Wechselkursaufschläge
Umrechnungsgebühren
Spreads zwischen Kauf- und Verkaufskurs
Gerade bei regelmässigen Sparplänen oder monatlichen Investitionen lohnt es sich, diese Kosten genau anzuschauen.
Ein scheinbar kleiner Unterschied von 0.25 % oder 0.5 % kann über Jahrzehnte mehrere Tausend Franken ausmachen.
5. Brauche ich einen ETF in Schweizer Franken?
Viele Schweizerinnen fühlen sich wohler, wenn sie in Schweizer Franken investieren.
Das ist verständlich.
Allerdings bedeutet ein ETF in CHF nicht automatisch, dass kein Währungsrisiko besteht.
Wenn der ETF beispielsweise weltweit investiert, sind darin trotzdem US-Dollar, Euro, Yen und viele weitere Währungen enthalten.
Die Schweiz macht nur einen kleinen Teil der Weltwirtschaft aus.
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, profitiert meist von einer breiten globalen Diversifikation statt einer ausschliesslichen Konzentration auf Schweizer Anlagen.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Wenn du die Währungen beim Investieren besser verstehen möchtest, solltest du besonders auf folgende Punkte achten:
✅ Depotwährung prüfen
✅ Handelswährung nicht mit Währungsrisiko verwechseln
✅ Währungsrisiken verstehen
✅ Wechselgebühren vergleichen
✅ Unnötige Währungswechsel vermeiden
✅ Möglichkeiten für Fremdwährungskonten prüfen
✅ Langfristig global diversifizieren
Fazit
Währungen beim Investieren sind ein Thema, das viele Anlegerinnen unterschätzen.
Dabei können falsche Kontoeinstellungen oder unnötige Währungswechsel jedes Jahr Rendite kosten.
Bevor du investierst, lohnt es sich deshalb immer zu prüfen:
In welcher Währung wird mein Depot geführt?
In welcher Währung zahle ich ein?
In welcher Währung investiere ich tatsächlich?
Entstehen unnötige Wechselkosten?
Wer diese Unterschiede versteht, trifft bessere Anlageentscheidungen und spart langfristig bares Geld.
Häufige Frage: Sollte ich als Schweizerin nur in CHF investieren?
Nein. Für die meisten Anlegerinnen ist eine globale Diversifikation sinnvoller als eine reine Konzentration auf Schweizer Anlagen. Entscheidend ist nicht, in welcher Währung ein ETF gehandelt wird, sondern in welche Unternehmen und Märkte investiert wird.
Deine Delia



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