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ETF auswählen in der Schweiz: Diese 7 Punkte solltest du kennen

  • Autorenbild: Delia Bohren
    Delia Bohren
  • vor 30 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit

ETFs gelten als einfach, günstig und transparent. Und tatsächlich können sie eine gute Möglichkeit sein, langfristig und breit diversifiziert zu investieren.

Aber: ETF ist nicht gleich ETF.


MSCI World, S&P 500, FTSE All-World, ausschüttend, thesaurierend, physisch, synthetisch … Wer zum ersten Mal einen ETF auswählen möchte, merkt schnell, dass es doch einiges zu entscheiden gibt.

Eine Frage, die mir deshalb immer wieder begegnet, ist:

«Delia, welchen ETF soll ich nehmen?»


Ich verstehe die Frage. Man hätte am liebsten eine einfache Antwort: Nimm ETF XY. Fertig. 😉

Nur bringt dir diese Antwort langfristig wenig.

Denn bevor du einen konkreten ETF auswählst, solltest du wissen, was du mit deinem Geld erreichen möchtest und welche Anlagestrategie zu dir passt!


In diesem Artikel zeige ich dir 7 wichtige Punkte, die du bei der Auswahl eines ETF in der Schweiz beachten solltest.


1. Welchen Index bildet der ETF ab?

Einer der ersten Punkte bei der ETF-Auswahl ist der zugrunde liegende Index.

Ein ETF versucht in der Regel, die Entwicklung eines bestimmten Index abzubilden. Welchen Index du wählst, bestimmt deshalb massgeblich, wo dein Geld investiert wird.

Bekannte Beispiele sind:

  • MSCI World: Unternehmen aus entwickelten Industrieländern

  • FTSE All-World: Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern

  • S&P 500: grosse US-amerikanische Unternehmen

  • SMI: grosse Schweizer Unternehmen

Ein ETF auf den S&P 500 ist beispielsweise etwas völlig anderes als ein weltweit investierender ETF.

Nur weil auf einem Produkt «ETF» steht, bedeutet das deshalb noch lange nicht, dass du automatisch weltweit investiert bist.


Mein Tipp: Schau nicht zuerst auf den Namen des ETF, sondern darauf, welchen Index er tatsächlich abbildet.


2. Wie gut ist dein ETF diversifiziert?

Einer der grossen Vorteile von ETFs ist die Möglichkeit, mit einem einzigen Produkt in viele Unternehmen gleichzeitig zu investieren.

Doch auch hier gibt es grosse Unterschiede.

Ein ETF kann beispielsweise 30, 500 oder mehrere Tausend Unternehmen enthalten.

Die Anzahl allein reicht allerdings nicht aus.

Schau dir auch an:

  • Welche Länder sind vertreten?

  • Welche Branchen sind enthalten?

  • Wie hoch ist der Anteil der USA?

  • Wie stark gewichtet sind die grössten Unternehmen?

  • Sind Schwellenländer enthalten?


Ein ETF mit Hunderten Unternehmen kann trotzdem stark von wenigen grossen Unternehmen oder einer bestimmten Region geprägt sein.

Diversifikation bedeutet deshalb mehr als einfach möglichst viele Aktien zu besitzen! Ich treffe immer wieder auf diese Überlegung.


3. Welche Kosten hat ein ETF?


ETFs gelten grundsätzlich als kostengünstige Anlageprodukte. Trotzdem lohnt sich ein Vergleich.

Eine wichtige Kennzahl ist die TER – Total Expense Ratio.

Sie zeigt die jährlich anfallenden laufenden Fondskosten in Prozent.

Bei einem ETF mit einer TER von beispielsweise 0,20 % fallen auf CHF 10'000 Anlagevermögen rechnerisch rund CHF 20 laufende Fondskosten pro Jahr an.

Aber die TER ist nicht die einzige Kostenposition.


Je nach Anbieter und Broker können zusätzlich entstehen:

  • Kauf- und Verkaufsgebühren

  • Depotgebühren

  • Währungsumrechnungsgebühren

  • Börsengebühren

  • Geld-Brief-Spreads

  • gegebenenfalls Schweizer Umsatzabgabe


Gerade bei regelmässigen kleinen Investitionen können Transaktionskosten einen Unterschied machen.

Deshalb: Nicht automatisch den ETF mit der niedrigsten TER wählen, sondern die Gesamtkosten betrachten.


4. Physischer oder synthetischer ETF?

Ein weiteres Entscheidungskriterium ist die sogenannte Replikationsmethode.

Physischer ETF

Bei einem physisch replizierenden ETF werden die Wertschriften des zugrunde liegenden Index grundsätzlich tatsächlich gehalten.

Dabei gibt es wiederum verschiedene Methoden. Ein ETF kann beispielsweise sämtliche Indexbestandteile kaufen oder mit einem sogenannten Sampling nur eine repräsentative Auswahl halten.


Synthetischer ETF

Ein synthetischer ETF bildet die Indexentwicklung mithilfe eines Tauschgeschäfts – eines sogenannten Swaps – ab.

Damit entsteht unter anderem ein Gegenparteirisiko, das regulatorisch begrenzt und durch Sicherheiten reduziert werden kann.

Synthetische ETFs sind deshalb nicht automatisch «schlecht». Die Konstruktion ist aber komplexer.

Wichtig ist, dass du verstehst, wie dein ETF funktioniert und welche Risiken damit verbunden sind.


5. Ausschüttend oder thesaurierend?

Bei ETFs kannst du häufig zwischen einer ausschüttenden und einer thesaurierenden Variante wählen.

Ausschüttender ETF

Erträge wie Dividenden werden regelmässig an dich ausbezahlt.

Du kannst anschliessend selbst entscheiden, ob du das Geld ausgibst oder wieder investierst.


Thesaurierender ETF

Bei einem thesaurierenden ETF werden die Erträge innerhalb des Fonds wieder angelegt.

Das kann besonders praktisch sein, wenn dein Ziel der langfristige Vermögensaufbau ist und du die Erträge ohnehin wieder investieren möchtest.

Aber Achtung:


Thesaurierend bedeutet in der Schweiz nicht automatisch steuerfrei!!!

Und damit kommen wir zu einem Punkt, der bei internationalen ETF-Ratgebern für Schweizer Anleger:innen häufig zu kurz kommt.


6. Welche Steuern fallen bei ETFs in der Schweiz an?

Wer in der Schweiz in ETFs investiert, sollte die steuerliche Behandlung kennen.

Dabei sind insbesondere Kapitalgewinne, Einkommen, Vermögenssteuer, Quellensteuer und die Schweizer Umsatzabgabe relevant.


Kapitalgewinne bei ETFs


Private Kapitalgewinne auf beweglichem Privatvermögen sind in der Schweiz grundsätzlich steuerfrei.

Verkaufst du beispielsweise einen ETF teurer, als du ihn gekauft hast, musst du den entsprechenden privaten Kapitalgewinn grundsätzlich nicht als Einkommen versteuern.

Eine wichtige Ausnahme besteht, wenn die Steuerbehörde deine Tätigkeit als gewerbsmässigen Wertschriftenhandel qualifiziert.


Dividenden und ETF-Erträge

Anders sieht es bei Erträgen wie Dividenden aus.

Diese sind grundsätzlich einkommenssteuerpflichtig.

Das gilt auch bei thesaurierenden ETFs: Nur weil dir die Erträge nicht direkt ausbezahlt, sondern innerhalb des Fonds wieder angelegt werden, verschwinden sie steuerlich nicht automatisch.

Für viele Fonds stellt die Eidgenössische Steuerverwaltung über ihre Kursliste bzw. ICTax die für die Steuererklärung relevanten Werte zur Verfügung.


Vermögenssteuer

Deine ETF-Anteile gehören ausserdem zu deinem steuerbaren Vermögen.

Die Vermögenssteuer wird in der Schweiz auf kantonaler und kommunaler Ebene erhoben. Wie hoch sie ausfällt, hängt deshalb unter anderem von deinem Wohnort und deinem gesamten steuerbaren Vermögen ab.


Schweizer Stempelsteuer bzw. Umsatzabgabe

Beim Kauf und Verkauf von Wertschriften kann zusätzlich die eidgenössische Umsatzabgabe anfallen, umgangssprachlich häufig als Stempelsteuer bezeichnet.

Relevant ist sie insbesondere, wenn ein inländischer Effektenhändler im Sinne des Stempelabgabengesetzes an der Transaktion beteiligt ist und keine Ausnahme greift.

Auch dieser Punkt kann bei der Wahl von Broker und Anlageprodukt eine Rolle spielen.


Quellensteuer und Fondsdomizil

Bei ausländischen Aktien können auf Dividenden ausserdem ausländische Quellensteuern anfallen.

Hier kann unter anderem das Domizil des ETF relevant werden. Doppelbesteuerungsabkommen und die konkrete Fondsstruktur beeinflussen, ob und in welchem Umfang Quellensteuern reduziert oder zurückgefordert werden können. So ist beispielsweise für USA lastige ETFS steuerlich ein Fondsdomizil in Irland attraktiver als z.B. Deutschland oder Frankreich.


Deshalb sollte bei der ETF-Auswahl nicht nur die TER betrachtet werden.

Die steuerlich günstigste Lösung hängt allerdings von der konkreten Situation ab – ein bestimmtes Fondsdomizil ist nicht pauschal für jede Person das beste.


7. Passt der ETF überhaupt zu deiner Anlagestrategie?

Für mich ist das der wichtigste Punkt.

Bevor du dich zwischen zwei ETFs entscheidest, solltest du dir einige grundlegendere Fragen stellen:

Was möchte ich mit diesem Geld erreichen?

Wie lange kann ich das Geld investiert lassen?

Wie viel Risiko kann ich finanziell tragen?

Und mindestens genauso wichtig:

Wie viel Schwankung halte ich emotional aus?

Denn es ist einfach zu sagen, dass man langfristig investiert, solange die Börse steigt.

Wenn dein Depot aber plötzlich 20 oder 30 % im Minus steht, sieht die Sache möglicherweise anders aus.


Genau deshalb passt der ETF deiner Freundin, deines Arbeitskollegen oder irgendeines Finfluencers nicht automatisch auch zu dir.

Vielleicht ist am Ende sogar der ziemlich langweilige, breit diversifizierte ETF genau das, was du brauchst. 😉


Fazit: Erst die Strategie, dann der ETF

MSCI World oder FTSE All-World? Ausschüttend oder thesaurierend? Physisch oder synthetisch?

Diese Fragen sind wichtig.

Aber sie kommen erst an zweiter Stelle.

Denn ein ETF ist für mich vor allem eines:

Ein Werkzeug. Nicht deine Anlagestrategie.

Bevor du dich fragst:

«Welchen ETF soll ich kaufen?»

würde ich deshalb mit einer anderen Frage beginnen:

«Was möchte ich mit meinem Geld erreichen – und welches Risiko kann und will ich dafür eingehen?»

Wenn du diese Frage beantworten kannst, wird auch die Auswahl des passenden Anlageprodukts sehr viel einfacher.


Deine Delia

Börsenchart das mit grünem Pfeil hinauf geht
Börse


Q&A


Sind Gewinne mit ETFs in der Schweiz steuerfrei?

Private Kapitalgewinne auf beweglichem Privatvermögen sind in der Schweiz grundsätzlich steuerfrei. Werden Anleger:innen steuerlich jedoch als gewerbsmässige Wertschriftenhändler eingestuft, kann die Situation anders aussehen.


Muss ich einen thesaurierenden ETF in der Schweiz versteuern?


Grundsätzlich können auch die Erträge eines thesaurierenden ETF einkommenssteuerpflichtig sein. Die Wiederanlage innerhalb des Fonds bedeutet nicht automatisch, dass keine steuerbaren Erträge entstehen.


Muss ich ETFs in der Steuererklärung angeben?

Ja. ETF-Anteile gehören grundsätzlich in das Wertschriftenverzeichnis. Ihr Steuerwert wird zudem für die Berechnung des steuerbaren Vermögens berücksichtigt.


Gibt es beim Kauf von ETFs in der Schweiz eine Stempelsteuer?


Beim Handel mit Wertschriften kann die eidgenössische Umsatzabgabe anfallen, wenn insbesondere ein Schweizer Effektenhändler im Sinne des Gesetzes beteiligt ist und keine Ausnahme besteht.


Welcher ETF ist für Anfänger in der Schweiz der beste?

Einen pauschal «besten ETF» gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem Anlageziel, Anlagehorizont, Risikofähigkeit, gewünschte Diversifikation, Kosten und persönliche Anlagestrategie.

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