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Geld und Konsum: Wie viel ist eigentlich genug?

  • Autorenbild: Delia Bohren
    Delia Bohren
  • vor 14 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit


Ich lese gerade «Das Ende des Kapitalismus» von Ulrike Herrmann. Und ich bin noch nicht einmal sicher, ob ich mit allem einverstanden bin, was sie schreibt.

Aber das Buch bringt mich zum Nachdenken....


Vielleicht auch deshalb, weil ich mich selbst so viel mit Geld beschäftige. Ich schreibe übers Investieren, über Vorsorge und darüber, warum es gerade für Frauen wichtig ist, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern. Ich investiere selbst und möchte langfristig Vermögen aufbauen.

Und gleichzeitig stellt sich beim Lesen plötzlich eine ziemlich grundlegende Frage:

Wofür wollen wir eigentlich immer mehr?


Mehr Geld. Mehr Rendite. Mehr Besitz. Mehr Konsum.

Und wann ist genug eigentlich genug?


Geld und Konsum: Warum mich das gerade beschäftigt


Eine zentrale These in Herrmanns Buch ist, dass sich dauerhaftes Wirtschaftswachstum und konsequenter Klimaschutz nicht miteinander vereinbaren lassen. Sie hält die Vorstellung eines «grünen Wachstums» für unrealistisch und argumentiert stattdessen für ein kontrolliertes «grünes Schrumpfen» der Wirtschaft.


Das ist eine ziemlich radikale These.

Und wie gesagt: Ich bin nicht mit dem Buch fertig und habe auch nicht bei jedem Kapitel zustimmend genickt. Das finde ich aber eigentlich gerade das Spannende daran.

Denn es zwingt mich, über etwas nachzudenken, das in der Finanzwelt erstaunlich selten hinterfragt wird: Wachstum.


Wir möchten, dass unser Vermögen wächst. Unternehmen sollen wachsen. Die Wirtschaft soll wachsen. Und gleichzeitig wissen wir, dass wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen leben.

Ich finde diesen Widerspruch zumindest ziemlich interessant.


Ich möchte trotzdem Vermögen aufbauen


Denn an einem Punkt unterscheidet sich meine persönliche Schlussfolgerung vielleicht von dem, was man bei einem Beitrag über Konsum und Klimakrise erwarten würde:

Ich möchte weiterhin investieren.

Ich möchte fürs Alter vorsorgen. Ich möchte Vermögen aufbauen. Und ich finde es nach wie vor unglaublich wichtig, dass insbesondere Frauen ihre Finanzen nicht einfach anderen überlassen.

Finanzielle Unabhängigkeit verschwindet für mich nicht plötzlich als Ziel, nur weil ich mir Gedanken über Wachstum und Konsum mache.

Im Gegenteil.

Vielleicht müssen wir aber stärker darüber sprechen, warum wir Vermögen aufbauen.

Denn ich möchte nicht investieren, damit irgendwann eine möglichst grosse Zahl in meinem Depot steht.

Das Geld soll einen Zweck erfüllen.


Finanzielle Freiheit bedeutet für mich nicht möglichst viel


Wenn ich an finanzielle Freiheit denke, denke ich mittlerweile weniger an eine konkrete Summe.

Ich denke an Wahlmöglichkeiten.

Eine unerwartete Rechnung bezahlen zu können, ohne dass gleich alles ins Wanken gerät.

Nicht jeden beruflichen Entscheid nur aufgrund des Lohnes treffen zu müssen.

Mein Arbeitspensum meinem Leben anpassen zu können.

Zeit mit meiner Familie zu haben.

Für später vorzusorgen und trotzdem heute zu leben.

Und natürlich auch einmal etwas zu kaufen, einfach weil ich es schön finde.

Ich bin nämlich definitiv keine Minimalistin. Und ich werde nach diesem Buch vermutlich auch nicht plötzlich aufhören, schöne Kleider, Möbel oder Ferien toll zu finden. 😉

Aber vielleicht muss finanzielle Freiheit gar nicht bedeuten, dass wir uns immer mehr leisten können.

Vielleicht bedeutet sie auch, irgendwann sagen zu können:

Ich habe genug.


Geld und Konsum müssen kein Entweder-oder sein


Beim Thema nachhaltiger Konsum landen wir für meinen Geschmack relativ schnell beim Verzicht.

Nicht fliegen. Nicht shoppen. Kein Auto. Weniger dies. Weniger das.

Ich weiss nicht, ob diese Diskussion für mich so funktioniert.

Mir hilft eine andere Frage mehr:

Wofür möchte ich mein Geld eigentlich einsetzen?

Ich kann beispielsweise zehn Dinge kaufen, weil sie gerade reduziert sind. Oder eines, das ich wirklich möchte und lange benutze.

Ich kann jeden Franken optimieren und mich gleichzeitig bei jeder Ausgabe schlecht fühlen.

Oder ich kann mir überlegen, welche Ausgaben zu meinem Leben passen und welche eigentlich gar nicht so wichtig sind.

Das bedeutet übrigens nicht automatisch, dass die günstigere Variante die bessere ist. Und es bedeutet auch nicht, dass jede Ausgabe einen tieferen Sinn haben muss.

Manchmal darf man sich auch einfach etwas kaufen, weil man Freude daran hat.

Für mich liegt der Unterschied zunehmend darin, ob ich bewusst entscheide oder einfach konsumiere, weil es gerade möglich ist.


Vielleicht ist das auch Finanzplanung


Wenn wir über ein Budget sprechen, denken viele zuerst ans Sparen.

Wo kann ich etwas streichen?

Welches Abo brauche ich nicht?

Wie viel kann ich jeden Monat auf die Seite legen?

Das sind sinnvolle Fragen. Aber vielleicht fehlt vorher noch eine andere:

Was soll mein Geld für mein Leben ermöglichen?

Wenn ich das weiss, wird vieles einfacher.

Dann ist ein Budget nicht nur eine Liste von Einschränkungen. Es zeigt mir vielmehr, ob ich mein Geld tatsächlich für die Dinge einsetze, die mir wichtig sind.

Und Investieren bedeutet dann nicht einfach «mehr Geld».

Es bedeutet, einen Teil meines heutigen Einkommens für mein zukünftiges Ich zur Seite zu legen.

Genau deshalb widersprechen sich für mich bewusster Konsum und Vermögensaufbau überhaupt nicht.

Eigentlich gehören sie sogar zusammen.


Geld und Konsum: Was ist für dich genug?


«Das Ende des Kapitalismus» hat mir bisher vor allem eines gezeigt: Ich möchte mir diese Fragen häufiger stellen.

Ich weiss noch nicht, ob ich Herrmanns Lösung für unsere Klimakrise teile. Und vielleicht werde ich am Ende des Buches bei einigen Punkten ziemlich anderer Meinung sein.

Aber die Frage nach dem «Genug» möchte ich behalten.

Denn vielleicht sollten wir in der Finanzbildung nicht nur darüber sprechen, wie wir mehr aus unserem Geld machen.

Sondern auch darüber, wofür wir dieses Geld eigentlich brauchen.

Ich möchte finanziell unabhängig sein.

Ich möchte vorsorgen.

Ich möchte investieren.

Ich möchte schöne Dinge kaufen und mein Leben geniessen.

Aber ich möchte nicht ständig das Gefühl haben, dass mir noch etwas fehlt.

Und vielleicht ist genau das für mich inzwischen ein ziemlich wichtiger Teil von finanzieller Freiheit.

Was bedeutet «genug» für dich?


Häufige Fragen zu Geld und Konsum

Wie hängen Geld und Konsum zusammen?


Unser Einkommen gibt uns die Möglichkeit zu konsumieren, zu sparen oder zu investieren. Entscheidend ist für mich deshalb nicht nur, wie viel Geld zur Verfügung steht, sondern auch, wofür wir es einsetzen. Wer die eigenen Prioritäten kennt, kann bewusster entscheiden, welcher Konsum tatsächlich zum eigenen Leben passt.


Was bedeutet bewusster Konsum?


Bewusster Konsum bedeutet für mich nicht, möglichst wenig zu kaufen. Es geht darum, Kaufentscheidungen nicht einfach automatisch zu treffen. Brauche oder möchte ich etwas wirklich? Passt es zu meinen Prioritäten? Und werde ich wahrscheinlich länger Freude daran haben?


Bedeutet finanzielle Freiheit, möglichst viel Geld zu besitzen?


Nicht zwingend. Für mich bedeutet finanzielle Freiheit vor allem Wahlmöglichkeiten. Ein finanzielles Polster und langfristiger Vermögensaufbau können dabei helfen, Entscheidungen weniger stark von finanziellen Zwängen abhängig machen zu müssen.


Wie kann ein Budget bei bewusstem Konsum helfen?


Ein Budget zeigt nicht nur, wo Geld eingespart werden könnte. Es kann auch sichtbar machen, wofür das eigene Geld tatsächlich verwendet wird. Spannend wird es, wenn man diese Ausgaben mit den eigenen Prioritäten vergleicht: Passt mein tatsächlicher Umgang mit Geld zu dem Leben, das ich führen möchte?


Mir liegt das Thema so am Herzen. Ich selbst bin manchmal echt ein Konsumopfer und nerve mich dadrüber. Ich habe einen kleinen Sohn und möchte ihm doch ein Leben ermöglichen, dass er später weiterführen kann: gesund.


Möge der Stutz mit dir sein. Deine Delia

Geld und Konsum – Gedanken über finanzielle Freiheit und bewussten Konsum
Geld und Konsum – Gedanken über finanzielle Freiheit und bewussten Konsum

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