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Mutter sein verändert deine Finanzen

Autorenbild: Delia Bohren
Delia Bohren
vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit


Warum wir über Teilzeit, Care-Arbeit und finanzielle Unabhängigkeit sprechen müssen.

Seit ich selbst Mami bin, denke ich noch einmal anders über Geld nach.

Nicht, weil mir Geld plötzlich wichtiger geworden ist. Sondern weil ich noch deutlicher sehe, wie eng Mutterschaft, finanzielle Entscheidungen und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbunden sind.

Mit einem Kind verändert sich unglaublich viel. Der Alltag, die Prioritäten, die verfügbare Zeit. Und eben auch die Finanzen.

Wer arbeitet wie viel? Wer übernimmt die Betreuung? Wie teilen wir die Ausgaben auf? Und was bedeutet das alles für unsere finanzielle Zukunft?

Das sind Fragen, die meiner Meinung nach viel zu selten offen besprochen werden.


Mutter und Finanzen: Was verändert sich nach der Geburt?


Wenn ein Kind zur Welt kommt, verändert sich häufig auch das Haushaltseinkommen.

Vielleicht reduziert ein Elternteil das Arbeitspensum. Vielleicht fallen zusätzliche Betreuungskosten an. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für den Alltag mit Kind.

Doch die finanziellen Veränderungen gehen weit über das monatliche Budget hinaus.

Besonders wichtig finde ich, dass wir nicht nur auf die nächsten Monate schauen, sondern auch auf die langfristigen Folgen.

Denn eine Entscheidung, die heute für die Familie sinnvoll ist, kann sich noch Jahrzehnte später auf die finanzielle Situation auswirken.


1. Teilzeit kostet mehr als Lohn

Viele Mütter reduzieren nach der Geburt ihr Arbeitspensum. Dafür gibt es gute Gründe. Mehr Zeit mit dem Kind, eine bessere Vereinbarkeit oder schlicht fehlende Betreuungsmöglichkeiten.

Doch Teilzeitarbeit hat finanzielle Konsequenzen.

Wer weniger verdient, hat nicht nur heute weniger Einkommen zur Verfügung. Häufig sinken auch die Beiträge an die Pensionskasse und damit die spätere Altersvorsorge.

Hinzu kommen möglicherweise geringere Karriere- und Lohnentwicklungsmöglichkeiten.

Das bedeutet nicht, dass Teilzeit grundsätzlich eine schlechte Entscheidung ist.

Aber ich finde, wir sollten wissen, was sie tatsächlich kostet.

Mein Tipp: Rechnet als Paar nicht nur aus, wie viel Einkommen durch eine Pensumsreduktion wegfällt. Schaut euch auch die Auswirkungen auf die Pensionskasse an.


2. Care-Arbeit ist nicht kostenlos

Kinder betreuen, Termine organisieren, einkaufen, kochen, Wäsche waschen, den Familienalltag koordinieren.

All diese Aufgaben brauchen Zeit.

Zeit, in der häufig keine bezahlte Erwerbsarbeit möglich ist.

Care-Arbeit ist für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Trotzdem wird sie finanziell oft kaum berücksichtigt.

Wenn eine Person ihre Erwerbsarbeit reduziert, damit die andere weiterhin Vollzeit arbeiten kann, profitieren beide von dieser Aufteilung.

Die finanziellen Nachteile trägt aber möglicherweise nur eine Person.

Deshalb finde ich wichtig: Wer unbezahlte Care-Arbeit übernimmt, sollte dadurch nicht automatisch finanziell schlechter gestellt werden.

Eine faire Aufteilung bedeutet für mich nicht zwingend, dass beide gleich viel verdienen. Sondern dass beide langfristig finanziell abgesichert sind.


3. Ein gemeinsames Konto reicht nicht

Viele Paare organisieren ihre Familienfinanzen über ein gemeinsames Konto.

Das kann sehr praktisch sein.

Doch ein gemeinsames Haushaltskonto bedeutet noch nicht automatisch finanzielle Gleichberechtigung.

Entscheidend ist auch, wie viel Geld beiden Personen nach den gemeinsamen Ausgaben persönlich zur Verfügung steht.

Werden die Kosten hälftig aufgeteilt, obwohl eine Person wegen der Kinderbetreuung deutlich weniger verdient?

Oder berücksichtigt ihr die unterschiedlichen Einkommen?

Ich persönlich finde eine Aufteilung nach finanzieller Leistungsfähigkeit häufig sinnvoller als eine starre 50:50-Lösung.

Wichtig ist, dass beide die Regelung als fair empfinden und genügend finanziellen Spielraum haben.


4. Die Altersvorsorge nicht vergessen

Gerade bei der Altersvorsorge können sich die Folgen von Teilzeitarbeit über viele Jahre summieren.

In der Schweiz besteht die Altersvorsorge aus mehreren Säulen.

AHV: Bei der AHV werden unter bestimmten Voraussetzungen Erziehungsgutschriften berücksichtigt. Diese sind kein Geld, das direkt ausbezahlt wird, sondern fliessen in die spätere Rentenberechnung ein.

Pensionskasse: Hier kann Teilzeitarbeit besonders ins Gewicht fallen. Wie gut jemand versichert ist, hängt unter anderem vom versicherten Lohn und vom Vorsorgereglement ab.

Säule 3a: Wer ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen hat, kann grundsätzlich in die Säule 3a einzahlen und so zusätzlich fürs Alter vorsorgen.

Gerade wenn eine Person ihr Pensum reduziert, lohnt es sich, die Vorsorgesituation gemeinsam anzuschauen.


Mein Tipp: Bestellt eure Pensionskassenausweise und besprecht, wie sich eure gewählte Aufteilung langfristig auswirkt.


5. Finanzielle Unabhängigkeit bleibt wichtig

Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet für mich nicht, dass jede Person sämtliche Ausgaben alleine tragen muss.

Es geht vielmehr darum, eigene finanzielle Handlungsmöglichkeiten zu behalten.

Dazu gehören ein eigenes Konto, ein finanzieller Notgroschen, Transparenz über die gemeinsamen Finanzen und eine langfristige Vorsorgeplanung.

Denn Lebenssituationen können sich verändern.

Eine Trennung, Krankheit oder der Verlust einer Arbeitsstelle können finanzielle Auswirkungen haben.

Darüber zu sprechen, hat für mich nichts mit mangelndem Vertrauen in eine Beziehung zu tun.

Im Gegenteil: Gemeinsam Verantwortung für die finanzielle Absicherung zu übernehmen, ist für mich ein Ausdruck von Partnerschaft.


6. Was passiert, wenn wir uns trennen?

Das ist eine Frage, über die niemand besonders gerne nachdenkt.

Trotzdem ist sie wichtig.

Denn ob ein Paar verheiratet ist oder im Konkubinat lebt, macht in der Schweiz rechtlich und finanziell einen erheblichen Unterschied.

Bei einer Scheidung gelten unter anderem Regeln zum Ausgleich von während der Ehe erworbenen Vorsorgeansprüchen. Im Konkubinat gibt es keinen entsprechenden automatischen Vorsorgeausgleich.

Auch bei Unterhalt, Erbschaft und Absicherung im Todesfall bestehen Unterschiede.

Deshalb lohnt es sich, die eigene rechtliche Situation zu kennen und bei Bedarf fachliche Beratung einzuholen.


7. Sprecht regelmässig über Geld


Mein wichtigster Tipp ist gleichzeitig einer der einfachsten:

Sprecht miteinander.

Nicht erst dann, wenn finanzielle Schwierigkeiten entstehen.

Sondern bereits vor der Geburt, bei einer Pensumsveränderung und immer wieder im Familienalltag.

Diese fünf Fragen können euch dabei helfen:

  1. Wie teilen wir Erwerbsarbeit und unbezahlte Care-Arbeit auf?

  2. Wie verteilen wir die gemeinsamen Ausgaben fair?

  3. Wie sichern wir die Altersvorsorge beider Elternteile?

  4. Haben beide genügend Geld zur freien Verfügung?

  5. Was würde sich finanziell bei einer Trennung oder einem Erwerbsausfall verändern?

Ihr müsst nicht auf alles sofort eine perfekte Antwort haben.

Aber es lohnt sich, diese Fragen gemeinsam anzugehen.


Mein Fazit: Mutter sein darf nicht zur finanziellen Falle werden

Ich liebe es, Mami zu sein. Und gleichzeitig ist mir meine finanzielle Unabhängigkeit wichtig.

Für mich schliesst sich das nicht aus.

Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft selbstverständlicher darüber sprechen, wie wir Familienarbeit aufteilen und welche finanziellen Folgen damit verbunden sind.

Denn finanzielle Gleichberechtigung beginnt nicht erst beim Investieren.

Sie beginnt häufig viel früher: bei der Frage, wer wie viel arbeitet, wer sich um die Kinder kümmert und wie wir die Verantwortung füreinander aufteilen.



Deine Delia

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