Gemeinsame Finanzen als Paar: 3 Learnings für euer Familienbudget
- Delia Bohren

- vor 10 Minuten
- 5 Min. Lesezeit
„Muss ich meinen Partner fragen, ob ich mir das leisten darf?“
Diese Frage klingt im ersten Moment vielleicht etwas provokativ. Aber gerade wenn man gemeinsame Finanzen als Paar organisiert, finde ich die Unterscheidung zwischen miteinander besprechen und um Erlaubnis fragen ziemlich wichtig.
Bei uns ist dieser Monat finanziell gerade so ein typischer Monat, in dem gefühlt alles gleichzeitig kommt. 😅 Jej.
Jährliche Versicherungsrechnungen, verschiedene Familienausgaben und natürlich all die normalen Kosten, die sowieso jeden Monat anfallen.
Das Geld reicht. Darum geht es gar nicht.
Aber: Es muss nach Budget ausgegeben werden.
Wenn jetzt zusätzlich eine ungeplante grössere Ausgabe dazukommt, bespreche ich das mit meinem Partner.
Nicht, weil ich ihn fragen muss, ob ich mir etwas kaufen „darf“.
Sondern weil eine zusätzliche Ausgabe unser gemeinsames Familienbudget betrifft.
Und genau daraus lassen sich für mich drei wichtige Learnings für gemeinsame Finanzen als Paar ableiten.
1. Gemeinsame Finanzen als Paar bedeuten nicht, um Erlaubnis zu fragen
Für mich gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen diesen beiden Fragen:
„Passt diese Ausgabe diesen Monat noch in unser Budget?“
und:
„Darf ich mir das kaufen?“
Das Erste ist für mich finanzielle Partnerschaft. Das Zweite kann – je nachdem, wie die Finanzen innerhalb einer Beziehung organisiert sind – auf eine finanzielle Abhängigkeit hindeuten.
Wenn wir eine grössere ungeplante Ausgabe miteinander besprechen, geht es nicht darum, dass eine Person über das Geld der anderen bestimmen darf.
Es geht darum, dass gemeinsames Geld auch gemeinsame Entscheidungen mit sich bringt.
Denn vielleicht reicht das Geld grundsätzlich problemlos für die neue Anschaffung. Gleichzeitig haben wir für diesen Monat aber bereits andere Ausgaben geplant oder möchten einen bestimmten Betrag sparen oder investieren.
Eine zusätzliche Ausgabe betrifft dann nicht nur eine Person, sondern möglicherweise unsere gemeinsamen finanziellen Ziele.
Learning 1: Gemeinsam über Geld zu entscheiden ist nicht dasselbe, wie um Erlaubnis zu fragen.
2. Ein Familienbudget ist gerade in teuren Monaten wichtig
Es gibt Monate, in denen das Budget fast von alleine funktioniert.
Und dann gibt es diese anderen Monate. 😅
Versicherungen werden jährlich fällig. Eine Rechnung kommt unerwartet. Für das Kind wird etwas benötigt. Vielleicht steht gleichzeitig eine grössere Anschaffung an.
Genau in solchen Monaten zeigt sich für mich der Wert eines Familienbudgets.
Ein Budget bedeutet nämlich nicht zwingend:
„Wir können uns das nicht leisten.“
Es kann genauso gut bedeuten:
„Wir könnten uns das leisten – aber passt diese Ausgabe gerade zu unseren Prioritäten?“
Das ist ein grosser Unterschied.
Ein gutes Budget soll für mich nicht möglichst stark einschränken. Es soll vielmehr dabei helfen, bewusst zu entscheiden, wohin unser Geld fliesst.
Dazu gehört auch, Ausgaben mitzudenken, die nicht jeden Monat anfallen.
Jährliche Ausgaben im Familienbudget einplanen
Versicherungsprämien, Steuern, Ferien, Autokosten oder andere jährliche Rechnungen kommen zwar nicht jeden Monat – überraschend sind sie aber meistens trotzdem nicht.
Deshalb kann es sinnvoll sein, solche Kosten auf zwölf Monate herunterzurechnen und jeden Monat einen entsprechenden Betrag zurückzulegen.
Kostet eine jährliche Rechnung beispielsweise CHF 1'200, können dafür monatlich CHF 100 im Budget eingeplant werden.
Wenn die Rechnung kommt, muss sie dann nicht vollständig aus dem laufenden Monatseinkommen finanziert werden.
Learning 2: Ein Budget ist nicht nur für Situationen da, in denen das Geld knapp ist. Es hilft auch dabei, vorhandenes Geld bewusst zu verteilen.
3. Finanzielle Eigenständigkeit bleibt auch in einer Partnerschaft wichtig
So wichtig gemeinsame finanzielle Entscheidungen für mich sind, genauso wichtig finde ich einen zweiten Punkt:
Beide Personen sollten finanziell eigenständig bleiben.
Das bedeutet für mich nicht zwingend, dass ein Paar sämtliche Finanzen getrennt führen muss.
Wie Konten und Ausgaben organisiert werden, kann sehr individuell sein.
Finanzielle Eigenständigkeit bedeutet für mich vielmehr:
die eigene finanzielle Situation zu kennen,
Zugang zu den gemeinsamen Finanzen zu haben,
finanzielle Entscheidungen verstehen zu können,
eigenes Geld zur Verfügung zu haben,
und nicht bei jeder persönlichen Ausgabe auf die Zustimmung der anderen Person angewiesen zu sein.
Gerade wenn innerhalb einer Familie eine Person ihr Arbeitspensum reduziert oder einen grösseren Teil der unbezahlten Familienarbeit übernimmt, wird dieser Punkt besonders wichtig.
Denn finanzielle Partnerschaft sollte für mich nicht dazu führen, dass eine Person langfristig finanziell schlechter gestellt oder abhängig wird.
Gemeinsames Budget und eigenes Geld schliessen sich nicht aus
Eine mögliche Lösung kann deshalb sein, zwischen verschiedenen Bereichen zu unterscheiden:
Gemeinsame Ausgaben: Wohnen, Lebensmittel, Kinder, Versicherungen, Ferien oder gemeinsame Sparziele.
Persönliche Ausgaben: Ein Betrag, über den jede Person selbst entscheiden kann.
Wie hoch dieser Betrag ist und wie gemeinsame Kosten aufgeteilt werden, hängt von der individuellen Situation ab.
Entscheidend finde ich nicht, ob ein Paar ein gemeinsames Konto, drei Konten oder fünf Konten hat.
Entscheidend ist, dass beide wissen, wie die gemeinsamen Finanzen funktionieren und beide finanziellen Handlungsspielraum haben.
Learning 3: Finanzielle Partnerschaft und finanzielle Eigenständigkeit schliessen sich nicht aus – für mich gehören sie zusammen.
Wie organisiert man gemeinsame Finanzen als Paar?
Es gibt nicht das eine Kontomodell, das für jede Familie funktioniert.
Viel wichtiger finde ich, dass Paare einige grundlegende Fragen offen miteinander besprechen:
Wie hoch sind unsere monatlichen Einnahmen?
Welche fixen und jährlichen Ausgaben haben wir?
Wie teilen wir gemeinsame Kosten auf?
Wie viel möchten wir sparen oder investieren?
Welche finanziellen Ziele haben wir?
Wie viel Geld steht jeder Person zur freien Verfügung?
Und!!!!
Ab welchem Betrag möchten wir ungeplante Ausgaben miteinander besprechen?
Gerade die letzte Frage finde ich spannend.
Vielleicht sind es CHF 100. Vielleicht CHF 500. Vielleicht braucht ihr überhaupt keine fixe Grenze.
Entscheidend ist, dass beide dieselben Erwartungen kennen.
Fazit: Gemeinsam planen und trotzdem finanziell eigenständig bleiben
Bei gemeinsamen Finanzen als Paar geht es für mich nicht darum, jede Ausgabe gegenseitig zu kontrollieren.
Es geht um Transparenz und gemeinsame Verantwortung.
Wenn ich eine grössere ungeplante Ausgabe mit meinem Partner bespreche, frage ich deshalb nicht:
„Darf ich mir das kaufen?“
Sondern vielmehr:
„Passt das gerade in unser gemeinsames Budget und zu unseren Zielen?“
Dieser Unterschied ist für mich entscheidend!
Finanzielle Eigenständigkeit und finanzielle Partnerschaft schliessen sich nicht aus!!
Im Gegenteil: Eine gute finanzielle Partnerschaft bedeutet für mich, eigenständig entscheiden zu können und gleichzeitig gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Und jetzt interessiert mich deine Meinung:
Wie macht ihr das bei euch?
Besprecht ihr ungeplante grössere Ausgaben miteinander? Oder habt ihr sogar einen bestimmten Betrag festgelegt, bis zu dem jede Person selbst entscheidet?
Häufige Fragen zu gemeinsamen Finanzen als Paar
Sollte man als Paar alle Finanzen gemeinsam führen?
Nein. Es gibt kein Kontomodell, das für jedes Paar optimal ist. Gemeinsame Konten, getrennte Konten oder eine Kombination aus beidem können funktionieren. Wichtig sind Transparenz, klare Absprachen und ein Modell, mit dem sich beide Personen wohlfühlen.
Wie kann man gemeinsame Ausgaben als Paar aufteilen?
Gemeinsame Ausgaben können beispielsweise je zur Hälfte oder proportional zum jeweiligen Einkommen aufgeteilt werden. Besonders bei unterschiedlichen Einkommen oder Arbeitspensen lohnt es sich, gemeinsam zu überlegen, welche Aufteilung für beide als fair empfunden wird.
Sollte jede Person in einer Partnerschaft eigenes Geld haben?
Ein eigener finanzieller Handlungsspielraum kann auch bei vollständig gemeinsamen Familienfinanzen sinnvoll sein. So können persönliche Ausgaben getätigt werden, ohne jede einzelne Entscheidung miteinander abstimmen zu müssen.
Wie plane ich jährliche Rechnungen im Familienbudget ein?
Bekannte jährliche Ausgaben können durch zwölf geteilt und monatlich zurückgelegt werden. Dadurch verteilt sich die finanzielle Belastung über das ganze Jahr und die Rechnung muss nicht vollständig aus dem Einkommen des Fälligkeitsmonats bezahlt werden.
Ab welchem Betrag sollte man Ausgaben mit dem Partner besprechen?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Grenze. Paare können individuell vereinbaren, ab welchem Betrag ungeplante Ausgaben gemeinsam besprochen werden. Wichtiger als die konkrete Summe ist, dass beide dieselben Regeln kennen.
Möge der Stutz mit dir sein. Deine Delia!




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