Pensionskasse bei Teilzeit in der Schweiz: Was weniger arbeiten für deine Vorsorge bedeutet
- Delia Bohren

- vor 20 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Ich arbeite selbst Teilzeit.
Und seit ich Mama bin, denke ich über Teilzeitarbeit nochmals anders nach.
Denn weniger zu arbeiten bedeutet für mich nicht einfach: weniger Lohn.
Es bedeutet Zeit mit meinem Kind. Es bedeutet Vereinbarkeit. Und ganz ehrlich: Es bedeutet für mich momentan auch eine Lebensgestaltung, die ziemlich gut zu mir passt.
Aber Teilzeit hat eben auch eine finanzielle Seite.
Und eine davon wird im Alltag gerne vergessen:
die Pensionskasse.
Denn wenn du dein Pensum reduzierst, verändert sich nicht nur dein monatlicher Lohn. In vielen Fällen sparst du dadurch auch weniger fürs Alter.
Das sollte kein Argument gegen Teilzeit sein.
Aber eines dafür, die Auswirkungen zu kennen.
Pensionskasse und Teilzeit in der Schweiz: Warum das überhaupt eine Rolle spielt
Unsere Altersvorsorge besteht in der Schweiz aus verschiedenen Säulen.
Die Pensionskasse bildet dabei die 2. Säule.
Während deines Arbeitslebens zahlen du und dein Arbeitgeber Beiträge ein. Daraus entsteht über die Jahre dein Altersguthaben.
Wenn du weniger verdienst, weil du beispielsweise nach der Geburt eines Kindes dein Arbeitspensum reduzierst, kann deshalb auch weniger Geld in deiner Pensionskasse landen.
Und genau hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn gerade wenn du viele Jahre Teilzeit arbeitest, können sich die Unterschiede über die Zeit summieren.
Der Koordinationsabzug kann bei Teilzeit wichtig werden
Vielleicht hast du auf deinem Pensionskassenausweis schon einmal den Begriff Koordinationsabzug gesehen.
Klingt wahnsinnig sexy, ich weiss. 😅
Vereinfacht gesagt wird damit berücksichtigt, dass ein Teil deines Einkommens bereits über die AHV abgesichert ist.
Für Teilzeitbeschäftigte ist interessant, wie die eigene Pensionskasse diesen Koordinationsabzug ausgestaltet.
Denn Pensionskasse ist nicht gleich Pensionskasse.
Einige Kassen berücksichtigen beispielsweise das Arbeitspensum bei ihrer Ausgestaltung. Deshalb lohnt sich ein Blick ins Reglement deiner eigenen Pensionskasse.
Gerade bei Teilzeit kann das einen Unterschied machen.
Was passiert, wenn ich mehrere Teilzeitjobs habe?
Noch spannender wird es, wenn du nicht nur einen Teilzeitjob hast.
Vielleicht arbeitest du beispielsweise 40 Prozent bei einem Arbeitgeber und zusätzlich 30 Prozent bei einem anderen.
Dann solltest du dir unbedingt anschauen, wie du bei deinen verschiedenen Arbeitgebern beruflich versichert bist.
Denn mehrere kleine Einkommen können bei der beruflichen Vorsorge anders wirken als ein einziges entsprechend hohes Einkommen.
Deshalb gehört für mich bei mehreren Arbeitgebern die Frage nach der Pensionskasse unbedingt auf die finanzielle To-do-Liste.
Nicht irgendwann.
Sondern jetzt! Bitte kümmere die früh darum.
Bedeutet Teilzeit automatisch eine AHV-Lücke?
Nein.
Und das finde ich wichtig.
Teilzeit bedeutet nicht automatisch, dass dir bei der AHV ganze Beitragsjahre fehlen.
Für die spätere AHV-Rente spielen unter anderem die Beitragsdauer und das massgebende durchschnittliche Jahreseinkommen eine Rolle.
Eine tatsächliche Beitragslücke entsteht, wenn für ein beitragspflichtiges Jahr keine ausreichende Beitragsdeckung besteht. Fehlende Beitragsjahre können die spätere AHV-Rente reduzieren.
Deshalb kannst du deinen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) bestellen und kontrollieren, ob deine Beiträge korrekt erfasst wurden.
Ich finde: Das ist eines dieser Finanz-Dinge, die man einmal machen sollte, statt jahrelang zu denken:
«Das wird schon stimmen.» 😉
Teilzeit und Vorsorge: 5 Dinge, die du überprüfen kannst
Wenn du Teilzeit arbeitest, würde ich nicht sofort in Aktionismus verfallen.
Ich würde zuerst verstehen, wo du stehst.
Dafür kannst du dir folgende fünf Fragen stellen:
1. Wie hoch ist mein aktuelles Pensionskassenguthaben?
Hol deinen Pensionskassenausweis hervor und schau ihn tatsächlich einmal an.
2. Wie hoch ist mein versicherter Lohn?
Dein Jahreslohn und dein in der Pensionskasse versicherter Lohn sind nicht zwingend identisch.
3. Wie behandelt meine Pensionskasse Teilzeit?
Schau insbesondere ins Vorsorgereglement oder frag bei deiner Pensionskasse nach, wie der Koordinationsabzug bei deinem Pensum gehandhabt wird.
4. Habe ich mehrere Arbeitgeber?
Dann lohnt sich eine genauere Prüfung deiner beruflichen Vorsorge besonders.
5. Wie sieht meine gesamte Vorsorge aus?
Die Pensionskasse ist nur ein Teil deiner finanziellen Situation. AHV, private Vorsorge, Vermögen und deine persönliche Lebenssituation gehören ebenfalls dazu.
Und dann gibt es noch die Säule 3a
Wenn wir über Teilzeit und Vorsorge sprechen, landet das Gespräch ziemlich schnell bei der Säule 3a.
Auch hier gilt:
Nicht einfach etwas abschliessen, weil «man halt eine 3a haben sollte».
Schau zuerst deine Gesamtsituation an.
Wie viel kannst und möchtest du langfristig sparen?
Welche Reserven hast du?
Wie sieht deine Pensionskasse aus?
Welche anderen finanziellen Ziele gibt es?
Finanzplanung bedeutet für mich nicht, möglichst viele Vorsorgegefässe zu füllen.
Sondern zu verstehen, welche Möglichkeiten man hat und was zur eigenen Lebenssituation passt.
Ich arbeite Teilzeit – und finde Teilzeit trotzdem nicht falsch
Dieser Punkt ist mir persönlich wichtig.
Wenn wir über die finanziellen Nachteile von Teilzeit sprechen, entsteht schnell der Eindruck:
Frauen müssten einfach mehr arbeiten.
So einfach ist es nicht.
Familien organisieren Betreuung, Erwerbsarbeit und Care-Arbeit sehr unterschiedlich.
Und eine Reduktion des Arbeitspensums kann eine absolut bewusste Entscheidung sein.
Ich arbeite selbst Teilzeit und weiss sehr genau, warum ich das momentan möchte.
Für mich bedeutet finanzielle Bildung deshalb nicht:
«Arbeite unbedingt 100 Prozent.»
Sondern:
Wenn du dich für Teilzeit entscheidest, solltest du wissen, was diese Entscheidung finanziell bedeutet.
Dann kannst du überlegen, ob und wie du innerhalb deiner Familie einen Ausgleich schaffen möchtest.
Und vor allem triffst du die Entscheidung bewusst.
Mein Fazit: Teilzeit ist nicht das Problem – nicht hinschauen schon
Teilzeit kann Freiheit schaffen.
Zeit für Kinder.
Zeit für Angehörige.
Zeit für andere Projekte.
Oder einfach Zeit für ein Leben, das nicht nur aus Erwerbsarbeit besteht.
Aber diese Freiheit hat manchmal einen finanziellen Preis.
Deshalb lohnt es sich, die eigene Pensionskasse nicht einfach als irgendeinen Abzug auf der Lohnabrechnung zu betrachten.
Hol deinen Pensionskassenausweis hervor.
Schau nach, wie viel du bereits angespart hast.
Prüfe deinen versicherten Lohn.
Und frag nach, wenn du etwas nicht verstehst.
Du musst keine Expertin für berufliche Vorsorge werden.
Aber du solltest deine eigene Vorsorge verstehen.
Denn am Ende geht es um dein Geld. Und um dein zukünftiges Ich. 💜
Du möchtest wissen, ob du finanziell auf Kurs bist?
Genau dafür gibt es meine Finanzsprechstunde.
Wir schauen gemeinsam auf deine aktuelle Situation, deine Vorsorge und deine offenen Fragen. Ich erkläre dir die Zusammenhänge verständlich und ohne Verkaufsdruck.
Nicht damit ich deine finanziellen Entscheidungen für dich treffe.
Sondern damit du sie selbst treffen kannst.
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→ Mutter und Geld: Warum jede Frau ihre Finanzen kennen sollte
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage-, Vorsorge- oder Finanzberatung dar. Die konkrete Ausgestaltung der beruflichen Vorsorge hängt unter anderem von der jeweiligen Pensionskasse und ihrer reglementarischen Lösung ab.

Möge der Stutz mit dir sein. 💜
Deine Delia



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